Service statt Content

17. Juni 2009 at 21:57 Hinterlasse einen Kommentar

Randnotizen vom heute zu Ende gegangenen Zukunftskongress Forward2Business in Halle

Zwei Tage, und wieder sind alle Kongressteilnehmer zufrieden. Trotz des gestrigen Regentags konnte der normalerweise (so auch heute) open air stattfindende Zukunftskongress „Forward2Business“ von Sven Gábor Jánsky wieder seine rund 200 Teilnehmer begeistern – diesmal zum Themenkomplex Störung/Grenzverletzung mit Schlagworten wie Rulebreaker, RuleMaker und RuleTaker.

Aus dem offiziellen Programm möchte ich nur drei Beiträge ansprechen, die meine Mühlen bewässerten. Zum einen die Präsentation Harald Blumenauers, ehemals Mitglied der Geschäftsleitung von Immobilienscout24 und 2007 mit seinem Grenzverletzer-Startup „iMakler“ gestartet. Was ist daran so besonders? Immobilienvermarktung zum Festpreis: für die Lowcost-Pauschale von 995,- € nimmt iMakler Immobilien in die Vermarktung auf, inklusive Besichtigung, Bewertung, Immopräsentation und Medienveröffentlichung etc. Transparente Leistung zum festen Preis – das schätzen auch immer mehr Immobilienverkäufer (und vor allem Käufer, die dann provisionsfrei erwerben!).

Ähnlich geht die Quirin Bank vor, auf dem Kongress vertreten von Kathrin Kleinjung (Leiterin Unternehmenskommunikation). Die Bank erbringt ihre Services in der Vermögensverwaltung nicht auf Provisionsbasis – alle erhaltenen Provisionen werden an den Kunden rückerstattet – sondern auf Basis einer Kombination aus Festpreismodell (75 € pro Monat) und Erfolgsbeteiligung. Läuft das Depot des Kunden nicht, gibts keine Erfolgsbeteiligung – andere Banken verdienen an jeder noch so unsinnigen Transaktion, die sie ihren Kunden reindrücken (besonders gern gesehene Kunden sind bei solchen Old-School-Banken die sogenannten „LEOs“ – Leicht Erreichbare Opfer…).

Regelmäßige Leser meines Blogs wird meine Begeisterung für diese beiden Modelle nicht wundern, schließlich bieten auch wir Videoproduktion zum günstigen Festpreis an und brechen damit einige Regeln, die bisher in der Bewegtbildproduktion galten.

Das dritte gute Laune Statement brachte Patrick Warnking, Head of Public, Media & Entertainment bei Google Deutschland. Es lautete kurz und knapp: Unternehmen kommen an einer Videostrategie nicht vorbei. Google-Trefferlisten, die nicht mehr nur Text, sondern auch Videofundstellen anzeigten (=universal search), seien nur noch eine Frage der Zeit. Und damit gehört neben dem textorientierten Suchmaschinenmarketing auch das Videomarketing als Pflichtfach in die Unternehmens- und Produktkommunikation. Also: Aufgewacht!!!

Forward2Business ist für mich der wohl kommunikativste Kongress in Deutschland (Kompliment an Sven Gábor Jánsky und seine Mitstreiter!), deshalb möchte ich auch ein Schlaglicht auf die Diskussionen abseits der Panels in kleinen Gruppen werfen. Was ist Content noch wert? Wie müssen Contentanbieter vom Verlag bis zur Nachrichtenagentur, vom Portal bis zum Verzeichnismedium reagieren?

Meine Gesprächspartner waren sich weitgehend einig in einer eher skeptischen Beurteilung des Werts von Contents – vielleicht mit Ausnahme eines „zertifizierten“ oder auch „trusted“ contents. Aber längst sind Tweeds, Blogger und Soziale Netze schneller als Nachrichtenagenturen, in der Regel umsonst und nahezu überall verfügbar. Wie sollen dagegen Geschäftsmodelle bestehen, die oft Stunden für die Aufbereitung, und zusätzlich viele Stunden, manchmal Tage, für Druck und Distribution benötigen? Und bei denen nur ein Bruchteil der Gesamtkosten dieses Systems der eigentlichen Informationsgewinnung und -verifizierung dient?

Die einzig allgemein akzeptierte Antwort hieß: Service. Service für Leser/Zielgruppe, aber auch verbesserte, vielleicht ganz neue Services für Inserenten. So manch heilige Kuh wird dabei geschlachtet werden (Tageszeitungen müssen täglich erscheinen, Telefonbücher müssen gedruckt werden, unser Content muss uns gehören – selbst die: Information und Werbung sind grundsätzlich zu trennen). Am Ende stehen vielleicht gattungsübergreifende Medienmarken, die gleichzeitig Text und Bewegtbild, Nachricht und Nachschlagen, Zielgruppenqualifikation und Kundenansprache bieten.

Ein derartiger Umbruch erschient vielen unvermeidlich. Deshalb sollten die Traditionsmedien schnell damit beginnen, das jetzige Geschäft zugunsten eines neuen zu zerstören – sonst werden am Ende sie selbst zerstört.

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