Pre-Roll, Post-Roll, Middle-Roll – nix Rock’n’Roll

1. Juni 2008 at 15:55 Hinterlasse einen Kommentar

Warum muss Online Videowerbung genauso blöd funktionieren wie die im Fernsehen?

Wie schreibt der VDZ in seinem Handbuch Online Video-Werbung doch so schön? „Online Video Ads sind multimediale, interaktive Rich Media Ads, die durch Flash- und Streaming Technologie den Einsatz von filmischen Werbesequenzen im Internet ermöglichen.“ Um gleich darauf in die Instream-Spots (Pre-Roll, Post-Roll, Middle-Roll) und In-Banner-Videos zu unterscheiden.

Erinnert Sie das nicht an „Scharnier-“ und „Unterbrecherwerbung“? Also Formate, wie wir sie vom Fernsehen kennen? Warum die den Kollegen vom VDZ (war ja selbst jahrzehntelang Mitglied) wohl so gut gefallen?

Weil es immer das Einfachste ist, dem Neuen Attribute des Alten anzukleben. Haben sie mal die Brücke „Das blaue Wunder“ in Dresden bewundert? Bei Ihrer Eröffnung 1893 als Stahlfachwerk-Hängebrücke eine innovative, technische Meisterleistung. Aber die wurde hinter Ornamenten versteckt und mit Gestaltungselementen verbrämt, die das Radikale des Entwurfs oberflächlich abmilderten.

Und genauso kommt es mir vor, wenn Online Videowerbung in Kategorien der TV-Werbung getütet wird. Weil dann alte journalistische heilige Kühe weiter grasen können – die Trennung zwischen Redaktion und Werbung zum Beispiel. So gibt es halt auch online einerseits „Content“ und andererseits „Advertising“, um den Content zu refinanzieren. Und es gibt die etablierten Player, die nicht viel dazulernen müssen, um diese Modelle ins Internet zu übertragen: Verlage, Werbeagenturen und Hersteller.

Gewiss – solche Werbemodelle wird es geben. Aber wo bleiben die Mischformen, die ja auch bei Print- (und TV-)kollegen als „Advertorials“ die Special-Interest-Hefte füllen? Oder die oft (recht unverhohlen) Inserat und redaktionell aufgemachte Pressemitteilung des gleichen Absenders in der Fachpublikation neben einander stellen? Tut doch nicht so, als sei das alles Teufelszeug – es ist Alltag.

Die Produktion journalistischer Inhalte ist teuer, und sie wird es insbesondere mit dem Medium Video auch absehbar bleiben. Trotzdem haben – gerade im lokalen oder im Special-Interest-Umfeld – werbliche, produkt- und leistungsbeschreibende Präsentationen oft einen erheblichen redaktionellen Wert.

Und dieser Wert lässt sich häufig mit dem Medium Video besser vermitteln als auf vielen anderen Wegen. Und so entwickeln sich bestimmt schon sehr bald weit mehr Formate der Online Videowerbung, als Pre-Roll, Post-Roll, Middle-Roll. Und dann ist Rock’n’Roll!

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Länge zählt Videoproducer – Selbstausbeutung oder Traumberuf?

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