Videos, wohin das Auge schaut
23. Juni 2008
Julia Schmid von Websehen.net macht heute auf Thesen von James L. McQuivey von Forrester Research aufmerksam, die in fünf Jahren eine Allgegenwart von Videoinhalten in unserem Alltag prophezeien.
Videos überall? Bewegtbild-Overkill? Im ersten Moment klingen die Thesen nach dem endgültigen medialen Griesbrei und damit unappetitlich. Doch im zweiten Moment finde ich sie fast noch zu harmlos. Denn
1. die Vermehrung der Bildschirme hat gerade erst begonnen. Viele Dinge vom Auto über den Kühlschrank bis zur Klotür haben bisher nicht oder nur im Hochpreissegment integrierte Bildschirme. Die werden jedoch immer billiger. So macht es für immer mehr Hersteller Sinn, ein paar Euro mehr ins Produkt zu investieren, wenn dadurch für den Kunden neuer Mehrwert geschaffen werden kann. Zum Beispiel für
2. Ganz neue, alltägliche Videoanwendungen. Hat mal jemand versucht, per Gebrauchsanleitung die Notverriegelung eines Cabriodachs zu betätigen? Angesichts der kryptischen Schemazeichnungen eine echte intellektuelle Herausforderung. Was aber wäre, wenn die Bedienungsanleitung über den Autobildschirm als kleines How-to-Video abzurufen wäre? Schließlich bleibt
3. nützliche Information nützlich – auch wenn sie Werbung ist. Wenn ich in fremder Stadt Hunger und Lust auf italienische Küche habe, freue ich mich über die Videoportraits italienischer Restaurants, die mein Handy mir anbietet. Ist das eher ein Laden mit Drei-Nationenküche und Plastikstühlen, das Etepetete-Restaurante oder die gemütliche Familienpizzeria? Überhaupt dürfte
4. die Rolle des Handys als Informationsscout nach wie vor massiv unterbewertet sein. Viele denken, dass das, was heute das Internet kann, künftig das Handy übernimmt, plus GPS und Umfeldsuche. Aber kann das 4711-Immer-dabei-Handy nicht auch eine aktive Rolle übernehmen? Meine Interessen, Vorlieben oder Bedürfnisse speichern und Signale an all die Bidlschirme senden, die so scharf darauf sind, mir ihre Botschaften zu überbringen? Unerwünschte Botschaften zu unterdrücken, dafür sehr individuell zugeschnittene herauszusuchen und mir anzubieten? Wird vielleicht sogar jemand meine Handyrechnung übernehmen, weil ich ihm erlaube, mir die mir angenehmen Inhalte zu zu spielen?
Videos, wie wir sie heute kennen, werden in fünf Jahren durch eine neue Gattung von Videos ergänzt werden: Servicevideos. Videos, die dann einen hohen Nutzen haben, wenn sie auf die jeweilige Bedürfnislage des Nutzers treffen. Die vermutlich jede Landesmedienanstalt als Werbung klassifizieren wird – und die situativ trotzdem willkommen sind. Ich sage nicht, dass sie klassisches Fernsehen oder journalistische Information ablösen – aber sie werden einen eigenen, umfassenden Platz erobern.
Entry Filed under: Basics, Distribution, Markt und Zahlen. Schlagworte: Handy, Informationsscout, Onlinevideo, Servicevideo, Videoanwendungen, Videowerbung.
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