Er hat gebohrt! Und zwar so:

Wer sagt denn, Videos passen nur für die schönen Dinge des Lebens? Ein amerikanischer Zahnarzt macht vor, wie man mit Onlinevideos Patientenvertrauen (und damit Patienten) gewinnt

Ist es nicht schon schlimm genug, wenn einen Techniker mit “Platinenbruch”, “defekter Gasbrenner”, “kaputte Viscokupplung” konfrontieren? Doch wie fühlen wir uns erst, wenn der Arzt Worte wie “Wurzelbehandlung”, “Stoffwechselstörung” oder “Darmoperation” in den Mund nimmt?

Unsere Lebenswelt ist ungeheuer komplex. Vielen Worten, die wir zwar wahrnehmen und zu verstehen glauben, können wir keinen wirklichen Sinn zuordnen - wir haben keine eigenen Erfahrungswerte, nicht einmal ein Bild, eine konkrete Vorstellung davon, was sie meinen.

Das erzeugt Unsicherheit, oft Angst, und führt manchmal zu irrationalem Verhalten, wenn z.B. der Besuch beim Arzt aufgeschoben wird. Ein amerikanischer Zahnarzt, Dr. Jerry Gordon aus Pennsylvania, ging vor rund einem Jahr in die Offensive und dokumentierte seine Arbeit und Behandlungsweisen per Video.

Bis heute hat er 32 Videos auf YouTube veröffentlicht. Sein “Masterpiece” zur Wurzelbehandlung dauert knapp 10 Minuten. Schauen Sie selbst:

Er ist entspannt, relaxed, nimmt den Patienten in spe die Angst. Er zeigt, was passiert, klärt auf, beruhigt. Und tut damit nicht nur seinem Berufsstand, sondern auch der eigenen Praxis viel Gutes.

In knapp einem Jahr wurde sein Video ca. 114.000mal betrachtet. Gut, das lag auch an der medialen Aufmerksamkeit, die seine Pioniertat erregte, z.B. in der New York Times. Doch schon vor diesem Beitrag war sein Video in zwei Monaten 11.000mal abgerufen worden. Als er seine Tätigkeit noch nicht im Video vorstellte, kamen 26 Patienten durch seine Website in die Praxis - nach dem Video waren es in wenigen Monaten 68.

Ein solches Video kann nicht “user generated” sein - Dr. Gordon beauftragte einen lokalen Videoproducer und investierte ca. 2.000 Dollar. Auch bei uns müsste man für ein solch umfangreiches, dokumentierendes Video ca. 2000 € Produktionskosten rechnen. Doch was steht dagegen?

Mehr Patienten. Weniger ängstliche Patienten. Weniger Aufklärungs- und Beratungsaufwand.

Wer immer komplexe Dienstleistungen erbringt, sollte einmal in Ruhe darüber nachdenken, seine Tätigkeit durch ein Beratungs- oder Servicevideo transparenter zu machen. Das schafft Vertrauen - und das bringt Kunden.

Add comment 26. Juni 2008

Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

Rückblick auf den “Forward2Business”-Kongress in Halle. Und Antworten auf die Frage: Was hat das mit Videowerbung zu tun?

Wer nicht da war, gleich vormerken für’s nächste Jahr: der zum “Ort der Ideen” gekürte Forward2Business-Kongress in Halle. Es gibt größere, internationalere, gewiss auch bekanntere Kongresse - aber nur wenig charmantere.

Im Innenhof der historischen Burg Giebichenstein trafen rund 200 Teilnehmer aus Trendforschung, Medien, Industrie und Dienstleistungen zusammen und wagten Ausblicke und Prognosen für das Jahr 2018. Moderiert von Sven Gábor Jánszky führte eine Tour d’Horizon in neue Arbeits-, Lebens-, Medien- und Markenwelten.

Immer wiederkehrendes Leitmotiv war das Stichwort “Vertrauen”. Wie sollen Unternehmen, Marken und Institutionen in einer zusehends auf medialen Beziehungen basierenden Welt Kunden ansprechen und binden? Was ist der “Kitt”, der ein Unternehmen und sein soziales Umfeld zusammen hält?

Vertrauen. Es wurde viel darüber gesprochen, wie “Big Player” sich darstellen und verhalten sollten – aber was macht der Laden um die Ecke? Was das kleine Ausflugshotel? Oder die Öko-Supermarktkette? Leider kamen diese Fragen im Rahmen des Kongresses ein wenig kurz. Deshalb hier mein Versuch einiger Antworten:

Keine Frage - letztlich ist die härteste Währung eines jeden Unternehmens das angebotene Produkt und die erbrachte Dienstleistung. Aber damit es dazu überhaupt kommt, sind Vorleistungen nötig – man muss  Kunden ansprechen, ein eigenes Profil entwickeln, seinen Zielgruppen signalisieren, dass man ihnen genau das bietet, was sie suchen.

Und da heißt meine Antwort wieder Video. Das Medium ist reichhaltiger, vielschichtiger und persönlicher als Flyer und Website. Es bietet die Chance der Authentizität – und damit eine hervorragende Grundlage, schon vor dem ersten Kundenkontakt einen Vertrauensvorschuss zu bekommen. Der Steuerberater, der Zahnarzt, der Tischlermeister - sie alle erhalten so eine virtuelle Visitenkarte mit wirklich persönlichem Profil.

Deshalb verfechte ich Formate der Videowerbung, die ohne Sprecher auskommen. Ein Sprecher kommentiert, beschreibt, ist wieder eine zusätzliche Instanz zwischen Zuschauer und Portraitiertem. Es muss ja nicht immer der Chef sein, der vor der Kamera steht (Lampenfieber haben wir alle mal) - es kann auch ein motivierter Mitarbeiter sein, der zeigt, wie gut die Stimmung im Laden ist und dass man sich engagiert für seine Kunden einsetzt.

Wenn Vertrauen eine wesentliche Basis hat, dann ist es Engagement. Wenn Engagement ein adäquates Vermittlungsmedium hat, dann ist es Video.

Add comment 24. Juni 2008

Videos, wohin das Auge schaut

Julia Schmid von Websehen.net macht heute auf Thesen von James L. McQuivey von Forrester Research aufmerksam, die in fünf Jahren eine Allgegenwart von Videoinhalten in unserem Alltag prophezeien.

Videos überall? Bewegtbild-Overkill? Im ersten Moment klingen die Thesen nach dem endgültigen medialen Griesbrei und damit unappetitlich. Doch im zweiten Moment finde ich sie fast noch zu harmlos. Denn
1. die Vermehrung der Bildschirme hat gerade erst begonnen. Viele Dinge vom Auto über den Kühlschrank bis zur Klotür haben bisher nicht oder nur im Hochpreissegment integrierte Bildschirme. Die werden jedoch immer billiger. So macht es für immer mehr Hersteller Sinn, ein paar Euro mehr ins Produkt zu investieren, wenn dadurch für den Kunden neuer Mehrwert geschaffen werden kann. Zum Beispiel für
2. Ganz neue, alltägliche Videoanwendungen. Hat mal jemand versucht, per Gebrauchsanleitung die Notverriegelung eines Cabriodachs zu betätigen? Angesichts der kryptischen Schemazeichnungen eine echte intellektuelle Herausforderung. Was aber wäre, wenn die Bedienungsanleitung über den Autobildschirm als kleines How-to-Video abzurufen wäre? Schließlich bleibt
3. nützliche Information nützlich - auch wenn sie Werbung ist. Wenn ich in fremder Stadt Hunger und Lust auf italienische Küche habe, freue ich mich über die Videoportraits italienischer Restaurants, die mein Handy mir anbietet. Ist das eher ein Laden mit Drei-Nationenküche und Plastikstühlen, das Etepetete-Restaurante oder die gemütliche Familienpizzeria? Überhaupt dürfte
4. die Rolle des Handys als Informationsscout nach wie vor massiv unterbewertet sein. Viele denken, dass das, was heute das Internet kann, künftig das Handy übernimmt, plus GPS und Umfeldsuche. Aber kann das 4711-Immer-dabei-Handy nicht auch eine aktive Rolle übernehmen? Meine Interessen, Vorlieben oder Bedürfnisse speichern und Signale an all die Bidlschirme senden, die so scharf darauf sind, mir ihre Botschaften zu überbringen? Unerwünschte Botschaften zu unterdrücken, dafür sehr individuell zugeschnittene herauszusuchen und mir anzubieten? Wird vielleicht sogar jemand meine Handyrechnung übernehmen, weil ich ihm erlaube, mir die mir angenehmen Inhalte zu zu spielen?

Videos, wie wir sie heute kennen, werden in fünf Jahren durch eine neue Gattung von Videos ergänzt werden: Servicevideos. Videos, die dann einen hohen Nutzen haben, wenn sie auf die jeweilige Bedürfnislage des Nutzers treffen. Die vermutlich jede Landesmedienanstalt als Werbung klassifizieren wird - und die situativ trotzdem willkommen sind. Ich sage nicht, dass sie klassisches Fernsehen oder journalistische Information ablösen – aber sie werden einen eigenen, umfassenden Platz erobern.

Add comment 23. Juni 2008

Bewegtbild-PDF - die künftige Speerspitze der Videowerbung?

Das für Ende Juni angekündigte neue Release von Acrobat bettet Videos in PDF-Dokumente ein – eine neue Basisanwendung der Online Videowerbung

Banken tun es, die T-Kom tut es, Lufthansa und der ADAC tun es - wann immer man einen Kontoauszug oder eine Rechnung aus diesem Haus bekommt, liegt ein kleiner Flyer mit aktuellen Angeboten oder neuen Services mit im Brief.

Mit PDF-Anhängen an Standardmails sind die Unternehmen bisher zurückhaltender - erfüllt ein Link auf die eigene Website schließlich die gleiche Funktion. Doch Video auf den Websites schränken leider nach wie vor die Reichweite ein - zu sehr sind häufig vor allem betrieblich genutzte Rechner abgeschottet, zu eingeschränkt die Möglichkeiten vieler Angestellter, Videobeiträge abzurufen.

Das neue Adobe Acrobat Pro Extended - die Veröffentlichung ist für Ende Juni, Anfang Juli angekündigt – könnte eine Bresche in die undurchlässigen Firewalls schlagen, zumindest in jene, die PDF-Dokumente durchlassen. Denn die neue Version des Dauerbrenners für Dokumentenaustausch kann nun auch Videos einbinden, die beim Adressaten ohne weitere Hilfsprogramme abgespielt werden können.

500 Millionen Menschen weltweit - so Adobe - tauschen Acrobat-Dokumente aus. Damit haben PDF-Dokumente eine der größten technischen Reichweiten innerhalb des Web.

Und deshalb sollten Video-PDFs Vorreiter für ganz neue Präsentationsformen werden. Von Werbeanhang an Emails, mit dem das Produkt des Monats vorgestellt wird, bis zur lebendigen Kurzvorstellung des Absenders - hallo, ich bis Fritzchen Müller, und möchte mich kurz vorstellen, bevor ich Ihnen was verkaufe…

Add comment 17. Juni 2008

It’s the iceberg, stupid

Der Eisberg als Symbol für den aktuellen Medienumbruch - eine Grafik von Terry Heaton

Lesenswerter Beitrag von Terry Heaton in der aktuellen Ausgabe des DigitalJournalist. Nicht allein seine nette Eisberggraphik ist den Klick wert, sondern vor allem seine Überlegungen, wie die klassische Medien- und Mediaindustrie von der “Personal Media Revolution” angegriffen und zunehmend unter Druck gesetzt wird. Weitere interessante Überlegungen zum von J.D. Lasica geprägten Begriff “Personal Media Revolution” in einem anderen Beitrag von Heaton.

Add comment 15. Juni 2008

Videoproducer - Selbstausbeutung oder Traumberuf?

Nun mal Butter bei die Fische: Was kann, was sollte man als Videoproducer verdienen?

Beim Geld hört die Freundschaft auf, so sagt man. Ich meine: Genau deswegen sollte man offen übers Geld reden.

Was kann, was sollte ein Videoproducer verdienen? Der DJV (Deutscher Journalisten-Verband) nennt in seinen Honorarempfehlungen eine Beitragspauschale “Video für Online” von 500 - 600 Euro, alternativ pro Minute 200 Euro. Der WDR weist in seinem Honorarrahmen für einen 2:30 Bericht/Reportage 459,05 Euro aus. Doch auch diese Honorarhöhen sind durchaus umstritten (=aus Sicht vieler VJ’s nicht ausreichend), wie die Diskussion in Roman Mischels absolut lesenswerten Blog R73.net zeigt.

Aus welcher Perspektive wird diese Diskussion geführt? Aus der des Fernsehens, noch genauer: aus der des Öffentlich-rechtlichen, gebührenfinanzierten Fernsehens. Sie orientiert sich an den Kosten von EB-Teams, an einem langwierigem Workflow aus Themenfindung und -angebot, Recherche, Drehvorbereitung, Dreh, Schnitt, Abstimmung mit Auftraggebern/Redaktionen und möglichen Korrekturen, an Spesen, Eigeninvestitionen, Ausfallrisiko und Auslastungsquote. Klar - da gehen für einen 2:30 Beitrag gern zwei, oft mehr Arbeitstage ins Land. Und angesichts der Tatsache, dass man als freier Videojournalist in einem solchen Umfeld nicht unbedingt damit rechnen kann, mehr als einen Beitrag pro Woche wirklich abzusetzen, sind 500 - 600 Euro eine absolut angemessene Forderung.

Bleiben wir doch mal beim Fernsehen, nehmen nun aber Stadtfernsehen oder Zielgruppen-IPTV. Da wird man mit dem Ansinnen, einen Dreiminüter für 500 Euro zu verkaufen, in der Regel ausgelacht und darauf verwiesen, dass dies ja im Monat der Praktikant verdient, der 50 bis 60 Beiträge pro Monat knüppelt (und, wie in einem mir bekannten Fall, dafür auch noch eigenes Profi-Equipment anschaffen und mitbringen muss). Das kann ja - weder qualitativ noch als Geschäftsmodell - die Medienzukunft sein, oder?

Trotzdem: Beide Ansätze beschränken aus meiner Sicht den Markt und die Perspektiven - für Videojournalisten/Videoproducer genauso wie für die Unternehmen, die sie beauftragen. 500 Euro für 2:30 können und werden sich die wenigsten Onlineportale leisten können. Und wer meint, mit ein paar Praktikanten und Volontären (Voll-)Programm machen zu können, wird über unterste Kreisklasse auch nicht hinauskommen, wie der (Miss-)Erfolg vieler Stadt- und Lokalsender eindrucksvoll belegt.

Also was dann? Klare Antwort: Fabrik statt Kunsthandwerk. Absolute Standardisierung in Produkten, Abläufen, Technik. Für viele neuartige Nutzungen von Videos im Internet (für Unternehmensdarstellung, Produktpräsentation, Events, Recruiting etc.) zählt nicht oder nur sehr bedingt der künstlerische Ansatz, sondern allein das Preis-/Leistungsverhältnis. Nur wenn das stimmt, setzen Kunden auf das neue Medium.

Bei vorgenannten Produkten ist es durchaus möglich, pro Tag 3 - 5 Produktionen zu drehen. Für den Schnitt liegt man bei 2 bis 4 Produktionen pro Tag. Je nachdem, ob nur Dreh oder inklusive Schnittversion(en) zahlt beispielsweise SightseekerMedien für Standardprodukte knapp 100 Euro (Länge 0:30 bis 1:30). Doch garantiert die Firma ihren vertraglich gebundenen Producern auch Kontingentabnahmen, so dass Monatshonorare von deutlich über 2500 Euro erreicht werden. Für (Quer-) Einsteiger aus Fotografie, Mediengestaltung, Kamerassistenz und Ton kein unfairer Satz, zumal regelmäßiges Coaching und Fortbildung dazu gehören und der Job als solcher ‘ne Menge Spaß macht.

Und dieser ganz andere Ansatz erschließt dem Unternehmen (und damit den rund 30 Videoproducern, die mittlerweile für SightseekerMedien arbeiten) ganz neue Märkte: Handy-Städteguides für Nokia, Unternehmensportraits für Verbände, Serienproduktionen für Verlage – manchmal muss man es eben anders machen, um es überhaupt zu machen.

Ich verstehe, wenn jemand mit “klassischem” TV-Verständnis diesen Job nicht machen will, weil er sein journalistisches Talent nicht genügend gefordert sieht. Aber ist klassisches TV-Verständnis der richtige Ansatz in der Onlinewelt? Deshalb werbe ich dafür, dass dies ein hervorragender Einstieg für junge Medientalente in die Medienwelt von morgen ist.

Add comment 14. Juni 2008

Pre-Roll, Post-Roll, Middle-Roll – nix Rock’n'Roll

Warum muss Online Videowerbung genauso blöd funktionieren wie die im Fernsehen?

Wie schreibt der VDZ in seinem Handbuch Online Video-Werbung doch so schön? “Online Video Ads sind multimediale, interaktive Rich Media Ads, die durch Flash- und Streaming Technologie den Einsatz von filmischen Werbesequenzen im Internet ermöglichen.” Um gleich darauf in die Instream-Spots (Pre-Roll, Post-Roll, Middle-Roll) und In-Banner-Videos zu unterscheiden.

Erinnert Sie das nicht an “Scharnier-” und “Unterbrecherwerbung”? Also Formate, wie wir sie vom Fernsehen kennen? Warum die den Kollegen vom VDZ (war ja selbst jahrzehntelang Mitglied) wohl so gut gefallen?

Weil es immer das Einfachste ist, dem Neuen Attribute des Alten anzukleben. Haben sie mal die Brücke “Das blaue Wunder” in Dresden bewundert? Bei Ihrer Eröffnung 1893 als Stahlfachwerk-Hängebrücke eine innovative, technische Meisterleistung. Aber die wurde hinter Ornamenten versteckt und mit Gestaltungselementen verbrämt, die das Radikale des Entwurfs oberflächlich abmilderten.

Und genauso kommt es mir vor, wenn Online Videowerbung in Kategorien der TV-Werbung getütet wird. Weil dann alte journalistische heilige Kühe weiter grasen können - die Trennung zwischen Redaktion und Werbung zum Beispiel. So gibt es halt auch online einerseits “Content” und andererseits “Advertising”, um den Content zu refinanzieren. Und es gibt die etablierten Player, die nicht viel dazulernen müssen, um diese Modelle ins Internet zu übertragen: Verlage, Werbeagenturen und Hersteller.

Gewiss - solche Werbemodelle wird es geben. Aber wo bleiben die Mischformen, die ja auch bei Print- (und TV-)kollegen als “Advertorials” die Special-Interest-Hefte füllen? Oder die oft (recht unverhohlen) Inserat und redaktionell aufgemachte Pressemitteilung des gleichen Absenders in der Fachpublikation neben einander stellen? Tut doch nicht so, als sei das alles Teufelszeug - es ist Alltag.

Die Produktion journalistischer Inhalte ist teuer, und sie wird es insbesondere mit dem Medium Video auch absehbar bleiben. Trotzdem haben - gerade im lokalen oder im Special-Interest-Umfeld – werbliche, produkt- und leistungsbeschreibende Präsentationen oft einen erheblichen redaktionellen Wert.

Und dieser Wert lässt sich häufig mit dem Medium Video besser vermitteln als auf vielen anderen Wegen. Und so entwickeln sich bestimmt schon sehr bald weit mehr Formate der Online Videowerbung, als Pre-Roll, Post-Roll, Middle-Roll. Und dann ist Rock’n'Roll!

Add comment 1. Juni 2008

Länge zählt

Wie lang sollte ein Online Werbevideo sein?

Im Fernsehen sind 15 oder 20 Sekunden eine Menge Zeit - insbesondere, wenn Sie auf langweilige Art von einer Marke beansprucht wird, die ich nicht benötige (Pampers). Und wenn Sie mich von dem abhält, was mich gerade interessiert - ein Spielfilm oder eine Sportübertragung zum Beispiel.

Im Internet habe ich (von nervigen Popups mal abgesehen) die Wahl, ob ich mir ein Werbevideo ansehen will oder nicht. Ich habe mich per Klick entschieden, wenigstens ein klein wenig Ladezeit und einige Sekunden Aufmerksamkeit zu investieren, um zu sondieren, ob mich das Video nun wirklich interssiert – oder ob ich lieber weitersurfe.

Gelingt es dem Video in den ersten 5 bis 15 Sekunden, meine Aufmerksamkeit zu fesseln, bleibe ich gern weiter am Ball. Wenn Informationen und “story” stimmen, Bild und Ton gute Qualität haben, und hier und da etwas informeller Mehrwert - Witz oder Emotion - rüberwächst, dann bin ich gern bereit, auch 90 oder 120 Sekunden zu investieren.

Viele sehen die Aufmerksamkeitsgrenze bei Webvideos bei 3 Minuten. In der Tat erscheint mir dies die absolute Obergrenze, die nur dann funktioniert, wenn der Videoproducer nicht selbstverliebt seine schönsten Shots recycelt, sondern erbarmungslos auf Redundanz verzichtet. Niemand will dreimal das Gleiche aus drei verschiedenen Einstellungen hören und sehen - dann gehen Spannung und Aufmerksamkeit flöten. Ich surfe, also bin ich (informiert) - wenn die Informationsdichte nachlässt, bin ich weg. Ein Klick und - tschüss!

Deshalb gefallen mir - je nach Sujet - 60 bis 120 sekündige Online Werbevideos am besten. Und je länger, desto höher muss der Anspruch sein, dass die “gefühlte Zeit” nicht weit über eine Minute hinausgeht.

Denn spätestens, wenn das Video auch seinen Weg auf Handy oder andere mobile Endgeräte findet, ist eine Minute schon eine sehr lange Aufmerksamkeitsspanne. Das ist eine halbe Strecke zwischen zwei S-Bahnstationen, das ist ein Fünftel Zigarette – das ist häufig eher schnell mal zwischendurch.

Doch was tun, wenn das Thema so kompakt ist, dass zwei Minuten es nur anreißen? Das wesentliche Aspekte vertieft, ein bisschen profunder dargestellt werden müssen? Das vielleicht 8 oder gar 10 Minuten Länge nahelegt?

Dann empfehle ich interaktive Elemente innerhalb des Videos, die es navigierbar machen und mir als Nutzer wiederum die Wahl lassen, wie intensiv und wie lange ich mich mit den unterschiedlichen Aspekten des Themas befasse. Vielleicht interessiert mich die durchaus bewegte und an Innovationen reiche Firmengeschichte des Portraitierten die Bohne - aber seine Produkte sind gut. Oder über sein Serviceangebot hab ich lobende Worte gehört und möchte nun mehr erfahren.

Interaktive Videos können zu einem kleinen Bewegtbildkompendium wachsen - aber jedes gute Nachschlagewerk hat ein (oder mehrere) transparente(s) Ordnungssystem(e). Wenn dies auch beim 10 Minuten Werbevideo berücksichtigt wurde, wird der Zuschauer dies honorieren.

Add comment 25. Mai 2008

Spots für alle

51 Mio. $ Funding für Spotrunner - ein Modell für Deutschland?

Spotrunner proudly presents: 51 Mio. $ Finanzierung. In den Topf geworfen u.a. von der Daily Mail, General Trust und Grupo Arnault/LVMH (die mit den vielen Luxusmarken). Was zum Teufel macht Spotrunner, dass sich die Investoren um die besten Plätze reißen? Vielleicht Online Videowerbung?

Fast. “Wir revolutionieren die TV-Werbung” steht auf der Homepage. Und für so’n altmodischen Kram gibts so viel Knete?

Ja. Denn er ist halt überhaupt nicht altmodisch gemacht: Über die Website von Spotrunner kann der geneigte Anwender – Klein- und Mittelunternehmer vom Friseur bis zum Versicherungsvertreter – sich zunächst mal einen Standard-TV-Spot seiner Wahl herunterladen. Meist nett gemacht, auf absolut professionellem Niveau – so ‘was hätt man schon gern. Und es kostet nicht viel – Standardpreis 499 $. Mit Regionalschutz. Dafür kann man aus einem fast unüberschaubaren Fundus, fein in zwanzig Kategorien von Arts & Entertainment bis Retail sortiert, auswählen: 1920 Anzeigen (inklusive Mehrfachnennungen) bieten sich an.

Flugs ne Anzeige ausgewählt, sagen wir zum “Mother’s Day Sale”, dann darf personalisiert werden. Firmename und -logo, Telefonnummern und Website, 4 Fotos und ein Slogan oder Angebot werden per Portal in den Spot eingefügt. Für 249 $ Aufpreis kann noch mal mächtig mehr personalisiert werden - vom eigenen Voiceover bis zu individueller Schrift oder eigener Musik. Man muss kein Prophet sein, dass im nächsten Release auch noch der Videoproducer ins Haus kommt und ein bisschen individuelle Atmo und ein nettes Statement einfängt.

Wer nun stolzer Besitzer eines frisch gebackenen Fernsehspots ist, kann ihn über das System gleich auch schalten. Wieder wählt man erst eine Branche, dann definiert man seine demographische Zielgruppe. Schließlich wählt man Verbreitungsgebiet und Budget und erhält vollautomatisch seinen Sendeplan - Matching vom Feinsten.

Aber geht das auch in Deutschland?

Nö. Erstens finanziert hier kein Mensch ein Medienstartup mit knapp 40 Mio. € (Spaß beiseite). Zweitens ist der Stellenwert der Fernsehwerbung hier ein ganz anderer. Das ist nur was für die Großen (denken die Kleinen). Während in den USA lokale TV-Stationen eine ganz andere Bedeutung haben und sie den kleineren Kunden vom Autohändler bis zum Zahnarzt längst aufs Zahnfleisch gerückt sind, kriegen bei uns selbst anspruchsvolle Spartensender kaum nen Werbeplatz voll.

Genau für Spartensender, IPTV und spätestens dann, wenn die Ausspielung der Spots auch auf Websites erfolgt, dann hat Spotrunner seine Berechtigung auf dem deutschen Markt. Da mag das regionale Matching ein wenig schwerer werden – aber dann würde auch hier ein Problem gelöst, dass nach wie vor der Entwicklung einer ganzen Branche im Weg steht.

Add comment 20. Mai 2008

Adam und Eva - oder: Warum eigentlich Online Videowerbung?

Ein kleiner Einstiegsdiskurs zu einer neuen Werbeform

Bilder bewegen sich, bewegte Bilder sind überall. Auf Computermonitoren, Handys, iPods oder Playstations - überallhin finden Videos ihren Weg. Und werden gesehen. 

Denn Videos haben eine geringe Zugangsbarriere. Sie erfordern nur eine minimale Anstrengung, um sie zu betrachten. Und wenn es sich um ein gut gemachtes Video handelt, bekomme ich als Zuschauer eine Menge Belohnungen:

  • ich werde informiert
  • ich werde unterhalten
  • und ich erfahre Dinge, die sich nicht mit Worten ausdrücken lassen: Gefällt mir, was ich sehe? Finde ich den Akteur sympathisch, kompetent, einladend? Gefällt mir der Stil des Shops, des Hotels, des Restaurants?

All dies versucht man traditionell auch mit Anzeigen, Websites und Flyern zu transportieren. Aber zwischen den Zeilen fehlt hier oft etwas: das entscheidende Quentchen menschlicher, nicht verbaler Kommunikation.

Videos sind lebendiger, vielschichtiger und persönlicher. Leider fallen Videos nicht vom Himmel und sind an Abspielmedien gebunden – doch die erobern grad die letzten Ecken unseres Alltags. Und Videos können hervorragend dort platziert werden, wo immer mehr Menschen nach Informationen suchen und Kaufentscheidungen vorbereiten: im Internet.

Für Auftraggeber sind Online Werbevideos weniger anstrengend als manche andere Medien. Nötig ist - je nach Auftragsumfang - eine halbe bis ein paar Stunden Zeit für Interview, Firmenportrait und Produktvorstellung.

All dies dreht ein Videoproducer. Der kommt in der Regel allein und hält nicht mit einem Mehrmannteam den ganzen Betrieb auf. Er fängt die interessanten Seiten des Betriebes ein, lässt sie die Vorzüge von Produkten und Services beschreiben und entlockt dem Interviewten die nötigen Aussagen - und schneidet daraus ein individuelles Portrait, das auf Portalen oder der eigenen Homepage platziert werden kann. Auch die Vorführung auf Messen oder die Ausstrahlung im lokalen Fernsehen ist möglich.

Online Videowerbung nützt dem Kunden und ist einfach für den Auftraggeber. Deshalb ist ihr Erfolg nicht eine Frage des “ob”, sondern nur des “wann” und des “wie”.

Add comment 18. Mai 2008

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